Was du über Son Trach wissen solltest

Son Trach befindet sich in einer der schmalsten Regionen Zentralvietnams, nur ca. 30 Kilometer von Laos und ca. 25 Kilometer vom Südchinesischen Meer entfernt. Durch die Nähe zum Meer und den Bergen im Phong Nha-Ke Bang Nationalpark, bleiben die Wolken oft an diesen hängen, weshalb es durchaus öfter regnen kann, als in anderen Gebieten. Im Nationalpark befinden sich viele prähistorische Höhlen, unter anderen auch die Son Doong Höhle, die größte der Welt. Ganz einfach ist es aber nicht diese zu besichtigen, da der Eintritt 3.000 US Dollar kostet und die mehrtägigen Touren nur relativ selten angeboten werden. Mehr zur Son Doong Höhle kannst du hier nachlesen.

Der ca. 800 km² große Nationalpark wurde 1999 mit Hilfe deutscher Unterstützung gegründet, als der Kölner Zoo und die Nationaluniversität von Hanoi sich für den Waldschutz und die Ausbildung von Rangern einsetzten. Während Son Trach im Vietnamkrieg ein heftiges Schlachtfeld war, lockt der Ort heute mit seinem Nationalpark viele Besucher aus dem In- und Ausland an, sodass die Einwohner vor allem vom Tourismus und der Landwirtschaft leben.

Kirche am Fluss Son Trach

Mit dem Zug von Da Nang nach Dong Hoi

Weil es in Hoi An keinen Bahnhof gab, hatten wir vor, den Zug von Da Nang aus nach Dong Hoi zu nehmen. um dort mindestens für eine Nacht zu bleiben. Aber so ganz waren wir uns noch nicht sicher. Die Fahrt dauert ungefähr 6-7 Stunden und kostet im Idealfall nicht mehr als 130.000 VND (ca. 5 Euro). Die Preise variieren aber oft nach Tageszeit, besonders beim Onlinekauf.

Von Hoi An aus sollten wir von unserer Unterkunft aus mit einem Sammeltaxi bis nach Da Nang zum Bahnhof gebracht werden – da es in der Stadt der Lampions keine Zuganbindung gibt – wurden aber in einem privaten Auto (also mit Chauffeur :-)) transportiert. Upgrade yeah.

Zugfahrt Da Nang nach Dong Hoi

Zufällig und kurzentschlossen ans Ziel

Stell dir vor, du fährst mit einem alten aber liebevollen Zug, dessen dutzende Waggons sich langsam, quietschend und von der schnaufenden Lok gezogen auf windige Höhen von mehreren Hundert Metern über dem Meeresspiegel hinauf schlängeln. Als wäre dieses Szenario nicht schon spektakulär und atemberaubend genug, bietet sich in Fahrrichtung rechts von dir das Meer in seiner wundervollsten, türkisenen Pracht an. Dem Mix aus intensiv grüner Vegetation, den Bergen und dem blauen Meer verfällst du innerhalb von Sekunden. Keine Chance, die Fahrt war wirklich erlebenswert, zählt dieser Abschnitt mit der Überquerung des Hai Van Pass doch zu den schönsten des gesamten Reunification Express (Wiedervereinigungsexpress).

In Dong Hoi angekommen hatten wir wie so oft keine Unterkunft gebucht. Direkt am Bahnsteig wurden wir jedoch nur wenige Augenblicke nachdem wir den Zug verlassen hatten von einem Engländer angesprochen. Ian fragte uns ob wir auch mit nach Son Trach möchten, uns ein Taxi teilen. Da es eh bereits schon später Nachmittag war und wir nicht mehr viel von Dong Hoi gesehen hätten, entschlossen wir uns kurzerhand mit ihm zu fahren. Die Son Trach Höhlen standen sowieso auf unserer To-Do-Liste. Die Fahrt mit dem Taxi kostete nach kurzer Verhandlung nur 300.000 VND (insgesamt, also ca. 12 Euro). Gut gelaunt und in Gespräche vertieft bestaunten wir während der Fahrt die Schönheit des Phong Nha-Ke Bang Nationalparks, dessen schimmernde Karstberge uns im Sonnenuntergang zu Füßen lagen. Und nicht nur die Karstberge, auch der kleine, zwischen den Bergen verborgene Ort mit nur zwei Straßen verzauberte uns im Handumdrehen.

Karstberge um Son Trach

Unterkunft in Son Trach

In Son Trach gibt es eine große Auswahl an Unterkünften, wovon die meisten Guest Houses oder Hotels sind. Einige Hostels findet man dort ebenfalls. Besonders das Easy Tiger Hostel ist eine Adresse an der du auf viele Reisende triffst. Live-Musik, ein Pool und Dorm Zimmer bieten alles was Backpacker benötigen. Auch Fahrräder und Touren können dort geliehen oder gebucht werden. Zudem achtet das Management des Hostels darauf seine Gäste intensiv auf den Nationalpark und die Höhlen vorzubereiten, inklusive Do’s and Dont’s.

Wir hatten uns wieder einmal für ein privates Zimmer entschieden, nur schräg gegenüber vom Easy Tiger Hostel. Für ein Zimmer zahlten wir umgerechnet 13 Euro und hatten einen fantastischen Ausblick auf die Kirche im Dorf.

Erkundung der Phong Nha Höhle

Nachdem wir die erste Nacht bereits königlich geschlafen hatten nutzten wir die Gunst der Stunde und machten uns auf den Weg um bei Nieselregen die Gegend zu erkunden. Mit dem Moped ging es entlang des Son Flusses in Richtung der Phong Nha Höhle. Nach einigen Kilometern war dann aber mit einem grandiosen Blick auf die Höhle Ende im Gelände. Wir mussten leider feststellen, dass sich unsere Bemühungen nicht gelohnt hatten und man diese Höhle nur per Boot erreichen bzw. befahren kann.

Gruppe der Bootstour zur Phong Nha Höhle

Vom Pier in Son Trach starten täglich Boote zur Phong Nha Höhle. Die Tour dauert ca. zwei Stunden, das Boot kostet ca. 14 Euro und der Eintritt für die Höhle ca. 6 Euro pro Person. Um Kosten zu sparen, kannst du dir am besten ein Boot mit anderen Touristen teilen. Das haben auch wir zur großen Freude einer vietnamesischen Gruppe gemacht, mit denen wir uns während der Fahrt herzlich austauschten und ebenfalls in den Genuss kamen, in ihren 3 Kg Erdnussbeutel zu greifen :-).

Die Fahrt und der kleine Rundgang in der Höhle waren sehr angenehm, unserer Meinung nach aber kein Must-Do. Noch vor ein paar Jahren wurden sowohl Son Trach als auch die Höhle auf einigen Blogs als absoluter Geheimtipp betitelt. Pustekuchen, Freunde der Nachhaltigkeit, es war einmal. Heute wimmelt es dort nur so an Heerscharen von Einheimischen, Chinesen und Backpackern, welche die Höhle zu einem Treffpunkt südostasiatischer und westlicher Kulturen werden lassen.

Ein und Ausgang der Phong Nha Cave

Wer dennoch Lust hat an einer Tour teilzunehmen, kann sich am Ticketschalter des Phong Nha-Ke Bang Tourism Center zwischen 07:30 und 16:00 Uhr bedienen.

Ausflug in das Bong Lai Tal

Nachdem wir von der Höhlentour zurückkamen, sattelten wir unser motorisiertes Zweirad und erkundeten einen weiteren Teil des Phong Nha-Ke Bang Nationalparks. Wenige Kilometer außerhalb von Son Trach kannst du dich als Entdecker des Ländlichen geben, und auf der Rundfahrt durch das Bong Lai Tal so einige Überraschungen sowie herrliche Natur bestaunen. Abseits der Hauptstraße führt ein Schotterweg ins Umland des von Flüssen, Wasserlöchern, Wasserbüffeln und Reisfeldern geprägten Gebietes. Die Unterkunft des Phong Nha Homestay ist einer der Hauptgründe, warum das Bong Lai Tal überhaupt bekannt geworden ist. Mitverantwortlich ist aber auch eine Bar namens „Pub with cold beer“, die bereits sogar in vielen großen Zeitungen Erwähnung fand. Tatsächlich ist das Bier dort kalt, und alles was auf dem Teller landet wird frisch zubereitet oder im Dorf angebaut.

Arbeiterin im Bong Lai Tal

Mit dem Moped kannst du das Tal innerhalb einer Stunde durchfahren, wir haben uns jedoch mehr Zeit gelassen und haben einige Stopps eingelegt. Man kommt auch gar nicht drum herum. Noch nachhaltiger ist es natürlich, mit dem Mountainbike auf Achse zu gehen.

Die Phong Nha-Ke Bang Nationalpark Rundfahrt

Nun waren unsere beiden mitreisenden Freunde ebenfalls in Son Trach angekommen. Wir hatten die Gegend ausgiebig erkundet, aber immer noch die Rundfahrt durch den Phong Nha-Ke Bang Nationalpark vor uns. Zu viert machten wir uns auf den Weg durch die 65 Kilometer lange Rundfahrt.

Ein Höhepunkt folgte dem anderen, als wir durch die 400 Millionen Jahre alte Topographie fuhren. Gipfel, die durch tektonische Erhebung gebildet und große Täler, die von Flüssen und Natur geschliffen wurden, waren so schön wie nirgendwo zuvor. Das intensive Grün des auffällig dichten Regenwaldes verzierte die Hänge und Schluchten zu um uns herum. So einzigartig und spektakulär wie es an der Oberfläche aussah, ist es aber auch im Untergrund. Hier im Nationalpark befinden sich die größte und die drittgrößte Höhle der Welt. Über Teile des historischen Ho-Chi-Minh-Trails (jetzt Autobahn), gelangst du unter anderem zu der Dark Cave und der Paradise Cave. Halte deine Kamera bereit und staune über Wildtiere und die unglaublich faszinierende Landschaft.

Son Trach Loop Tal

Ein Botanical Garden nur für uns

Wenn man an einen botanischen Garten denkt, möchte man zuerst Bilder verschiedenster tropischer Pflanzen in einem gigantischen Gewächshaus in sein Gedächtnis rufen. Uns ging es so. Wir wurden aber mit dem Botanical Garden, der sich nur wenige Kilometer von Son Trach befindet, sehr überrascht, aber sehr positiv. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen Teil des Waldes, der begehbar gemacht wurde und von Park-Rangern bewacht wird. Wir entschieden uns für die zwei Kilometer Tour, eine von drei möglichen Routen.

Angegeben wir die Laufzeit mit einer Stunde. Nach ca. 20 Minuten hatten wir bereits mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt, schwitzten im Dickicht des Regenwaldes weil kein Lüftchen hindurchwehte und merkten ziemlich schnell das wir komplett alleine auf dem kleinen Pfad unterwegs waren. Der letzte Abschnitt gestaltete sich jedoch viel intensiver, bergiger und auch optisch ansprechender als unser zu-Fuß-Prolog. Auf dem Weg waren verschiedene Pflanzenarten mit Zeichen markiert und die Zikaden, kleine Tierchen, veranstalteten einen Höllenlärm. Nach ca. einer halben Stunde erreichten wir dann einen traumhaften Wasserfall, den Thac Gio Waterfall, der das Herz eines jeden nass-geschwitzten Wanderers höher schlagen lassen sollte. Wir freuten uns riesig und kühlten uns mit einer Handvoll kühlem Wasser ab.

Thac Gio Wasserfall

Nach der Erfrischung kletterten wir den Wasserfall am Rande hinauf, um kurz darauf festzustellen, dass Martin seine Brille wohl am Fuße des Wasserfalls vergessen hatte. Hieß für ihn also wieder hinabklettern, um danach mit letzter Kraft in den Beinen, den Aufstieg erneut zu meistern. Sara und die anderen beiden hatten auf jeden Fall einen Heidenspaß dabei! 😀

Der Botanische Garten ist täglich zwischen 08:00 und 17:00 Uhr geöffnet und kostet ca. 1,50 Euro Eintritt pro Person. Die Länge der Route spielt dabei keine Rolle.

Der beschwerliche Aufstieg zur Paradise Cave

Wir hatten uns für die Besichtigung von mindestens einer dieser begehbaren Höhlen entschieden, und zwar für die Paradise Cave. Die Höhle gehört mit ca. 30 Kilometern Länge zu einer der bisher längsten trockenen Höhlen, von der man aber nur einen kleinen Teil begehen kann.

Dort angekommen, parkten wir unsere Mopeds in den dafür vorgesehenen Bereichen, zahlten jeder ca. 10 Euro Eintritt und liefen gefühlt 20 Minuten bis wir zu einem Berg kamen. Hier folgten wir einem Weg, der im Zickzack 500 Meter in die Höhe führte. Mit jedem Schritt mehr aus der Puste dauerte es ein Weilchen bis wir am Rande des Eingangs zur Höhle ankamen. Total geschafft und verschwitzt setzten wir uns erst einmal auf die Bänke, um uns kurz auszuruhen, bevor es hinab in die kalte Höhle ging.

Paradise Cave Phong Nha-Ke Bang Nationalpark

Schon der Eingang war total imposant, wir spürten bereits den kalten Windzug, obwohl wir uns gerade bei einer Temperatur von 33 Grad noch außerhalb aufhielten. Die Höhle mit ihren unzählig imposanten Stalagmiten und Stalagtiten war gezielt mit unterschiedlichen Lichtern ausgeleuchtet. Sie war absolut eindrucksvoll und weit weg von dem was wir uns erdacht hatten zu sehen. Den ganzen Weg liefen wir auf einem Holzsteg entlang und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Wir hatten unseren Besuch in der Höhle extra zum Nachmittag hin geplant, um den Massenstrom an Touristen zu entgehen. Da die Höhle sehr hellhörig ist, empfanden wir die große Anzahl an Menschen im Eingangsbereich als sehr störend. Vor allem wenn die Tourguides auch noch durch ihre Mikrofone sprechen! Am Ende des Tunnels hatte sich unsere Planung dann aber endlich ausbezahlt. Wir waren die Einzigen Menschen in der gesamten Höhle und hörten neben unserem Atem nur noch das Tropfen des Wassers.

Fazit:

Son Trach, der Phong Nha-Ke Bang Nationalpark und die Höhlen sind eine Besuch wert. So unscheinbar die Region oder der Ort auch klingen mag, die umgebende Natur mit ihren Sehenswürdigkeiten bieten viele Möglichkeiten sich dort für mehrere Tage „einzuleben“. Massentourismus herrscht hier noch nicht, oder ist zumindest nur örtlich spürbar. Nachhaltige Aktivitäten gibt es im und rund um den Nationalpark, wenn auch oft zu etwas höheren Preisen.

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